CELIDON Pro: Neue Ortungstechnologie soll Atemschutztrupps im Einsatz besser schützen
Feuerwehreinsätze unter Atemschutz gehören zu den gefährlichsten Aufgaben im Einsatzdienst. Dichte Rauchentwicklung, völlige Dunkelheit und unübersichtliche Gebäude erschweren die Orientierung und können im Ernstfall dazu führen, dass sich Einsatzkräfte verlieren oder im schlimmsten Fall verunglücken. Genau hier setzt das Forschungsprojekt CELIDON Pro an.
Bei einer Live-Demonstration auf dem Gelände des Ausbildungszentrums der Feuerwehr Dortmund wurde ein neu entwickeltes Lokalisierungssystem vorgestellt, das Atemschutztrupps dabei unterstützen soll, sich gegenseitig auch unter Nullsicht schnell wiederzufinden. Dirk Aschenbrenner, Direktor der Feuerwehr Dortmund begrüßte zuvor das anwesende Publikum und führte in das Thema ein. Im Anschluss übernahm Dr. Oliver Harnack, Verbundkoordinator des Forschungsprojekts CELIDON Pro. Er erläuterte die Motivation hinter der Entwicklung und stellte die Ziele von CELIDON Pro vor. Anschließend präsentierte er gemeinsam mit den Projektpartnern die technische Lösung sowie die Live-Demonstration.
Wenn Sekunden über Leben und Tod entscheiden
Ausgangspunkt des Projekts ist ein realistisches Einsatzszenario: Zwei Feuerwehrkräfte dringen unter Atemschutz zur Menschenrettung in eine brennende Wohnung vor. Die Sichtweite beträgt aufgrund des dichten Brandrauchs weniger als 30 Zentimeter. Kommt es durch eine plötzliche Rauchgasdurchzündung oder andere unvorhersehbare Ereignisse zur Trennung des Trupps, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Da der Luftvorrat eines Atemschutzgeräts in der Regel nur etwa 20 Minuten ausreicht, muss eine vermisste Einsatzkraft möglichst schnell gefunden werden.
Forschung für mehr Sicherheit
CELIDON Pro soll genau diese Fähigkeitslücke schließen. Das System kombiniert eine präzise Ultra-Wideband-Ortung (UWB) mit einer Augmented-Reality-Anzeige in der Atemschutzmaske. Die Position von Truppmitgliedern wird in Echtzeit erfasst und direkt im Sichtfeld der Einsatzkräfte eingeblendet.
Die Entwickler verfolgen dabei das Ziel, die Technik so weit zu miniaturisieren, dass sie vollständig in die persönliche Schutzausrüstung integriert werden kann. Robuste Materialien und einsatzorientierte Algorithmen sollen gewährleisten, dass das System auch unter den extremen Bedingungen eines Feuerwehreinsatzes zuverlässig funktioniert.
Live-Demonstration zeigt deutlichen Zeitgewinn
Während der Live-Demonstration erklärte Marvin Jansen Schritt für Schritt den Ablauf der Übung und zeigte, wie CELIDON Pro Einsatzkräfte bei der Orientierung unter Nullsicht unterstützt. Im Mittelpunkt der Präsentation standen drei Einsatzszenarien.
Zunächst demonstrierten Feuerwehrkräfte einen klassischen Atemschutznotfall ohne technische Unterstützung. Ein Sicherheitstrupp musste eine vermisste Einsatzkraft in einer verrauchten Wohnung suchen. Ohne Lokalisierungssystem orientierten sich die Feuerwehrleute ausschließlich an der Schlauchleitung und tasteten sich Raum für Raum vor. Obwohl sich die vermisste Person in unmittelbarer Nähe befand, dauerte es einige Zeit, bis sie gefunden wurde.
Im zweiten Durchgang kam CELIDON Pro zum Einsatz. Das in die Atemschutzmaske integrierte Head-up-Display zeigte den Einsatzkräften Richtung und Entfernung zur vermissten Person an. Dadurch konnten sie einen deutlich direkteren Weg wählen und die Einsatzkraft wesentlich schneller lokalisieren. Die Demonstration machte den Zeitgewinn eindrucksvoll sichtbar.
Ein drittes Szenario zeigte schließlich, wie sich durch die neue Ortungstechnologie künftig auch Einsatztaktiken verändern könnten – beispielsweise durch einen digitalen „Exit Point“, der den Rückweg aus einem Gebäude markiert.
Positive Rückmeldungen aus der Praxis
Nach der Übung bestätigten die beteiligten Feuerwehrkräfte den praktischen Nutzen des Systems. Die Ortung erleichtere die Orientierung erheblich und ermögliche eine deutlich schnellere Suche nach vermissten Personen. Verbesserungspotenzial gebe es zwar immer, betonten die Feuerwehrleute. Bereits jetzt stelle das System jedoch eine wertvolle Unterstützung im Einsatz dar.
Bewusst einfache Anzeige
Im Anschluss konnten Besucher die Technik selbst ausprobieren. Das kleine Head-up-Display befindet sich im unteren Sichtbereich der Atemschutzmaske. Die Einsatzkräfte müssen den Blick lediglich leicht nach unten richten, um die Informationen abzulesen. Angezeigt werden bewusst nur wenige Daten wie Richtung, Entfernung und die Kennzeichnung der Truppmitglieder. Dadurch soll verhindert werden, dass Feuerwehrkräfte in Stresssituationen mit zu vielen Informationen überfordert werden.
Das Display basiert auf einer bereits vorhandenen Maskentechnologie von Dräger und wurde für das Forschungsprojekt um die Lokalisierungsfunktion erweitert. Auch für Brillenträger soll das System grundsätzlich geeignet sein.
Breites Forschungsnetzwerk
Das Verbundprojekt lief von Mai 2024 bis Juli 2026 und wurde im Rahmen des Förderprogramms „Forschung für die zivile Sicherheit – Innovationen im Einsatz“ durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert.
Koordiniert wird CELIDON Pro von Dräger Safety AG & Co. KGaA. Projektpartner sind die Technische Universität Dortmund, das Institut der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen, die Feuerwehr Dortmund, die Westsächsische Hochschule Zwickau sowie das Unternehmen data glasses Zwickau als assoziierter Partner.
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