Resilienz im Ernstfall: Die zentralen Themen des Bodensee Resilience Summit Tag 1

Lena BerghoffLena Berghoff

Beim Bodensee Resilience Summit 2026 stehen Resilienz, Gesamtverteidigung und der Schutz kritischer Infrastrukturen im Fokus. Die Vorträge reichen von radiologischem Notfallschutz und Drohnenabwehr bis zur zivilen Verteidigung und medizinischen Versorgung. Björn Stahlhut fasste die zentralen Themen des ersten Veranstaltungstages zusammen.

Auftakt des Bodensee Resilience Summit 2026 mit Fachvorträgen und Diskussionen zu Resilienz und Bevölkerungsschutz.
Der Bodensee Resilience Summit 2026 ist erfolgreich in den ersten Veranstaltungstag gestartet. Im Mittelpunkt stehen Resilienz, Gesamtverteidigung und der Schutz Kritischer Infrastrukturen.
Foto: CPM / Sascha Schürmann

Bodensee Resilience Summit 2026: Resilienz und Gesamtverteidigung im Fokus

Der Bodensee Resilience Summit 2026 ist gestartet. Zwei Tage lang geht es um Resilienz, Gesamtverteidigung und den Schutz kritischer Infrastrukturen. Die Veranstaltung ist ein Format der CPM Verlag GmbH.

Nach dem Begrüßungskaffee und einer ersten Networkingmöglichkeit eröffnete Björn Stahlhut, Leitender Redakteur von SECURITY-NETWORK.com, den Gipfel. Es folgte ein Grußwort von Tobias Ehlke, Inhaber und Geschäftsführer des CPM Verlags.

„Das Erste, was mir auffällt, ist meine Tochter, die mich anstrahlt, wenn ich das iPad öffne. Sie erinnert mich immer wieder daran, warum wir diese Themen bei uns im Verlag behandeln“, sagte Ehlke. Er stellte das Engagement in den Mittelpunkt: „Ich bin der Meinung, dass das Thema Engagement ganz vorne stehen muss, wenn wir über das Thema Resilienz sprechen.“

Radiologischer Notfallschutz: Auf das Undenkbare vorbereitet sein

Das Programm des Bodensee Resilience Summit 2026 startete mit einer Keynote von Inge Paulini, Präsidentin des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS). Ihr Titel: „Auf das Undenkbare vorbereitet – Radiologischer Notfallschutz als Baustein gesamtstaatlicher Resilienz“.

Paulini verwies auf Vorfälle dieses Jahres. Sie nannte den Stromausfall in Berlin, Sprengstoffdrohnen am Leipziger Flughafen und Sabotage an Energieanlagen in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg. Resilienz entstehe nicht in der Krise, sagte sie. Sie entstehe vorher – durch Planungen, klare Zuständigkeiten, Investitionen und Übungen.

Deutschland sei noch nicht dort, wo es sein könnte und müsste. Paulini forderte, Sicherheit umfassender zu denken und zivile Verteidigung gleichrangig mit der militärischen zu behandeln. Der militärischen Operationsplanung müsse ein ziviles Gegenstück zur Seite gestellt werden.

Auch die Bevölkerung müsse stärker eingebunden werden. Das BfS hat dazu eine Studie durchgeführt. Demnach machen sich rund 60 Prozent der Befragten große Sorgen vor einem nuklearen Unfall oder einem Anschlag. Etwa 63 Prozent wüssten nicht, was sie im Ernstfall tun sollen. Paulinis Rat bei einem radiologischen Notfall: zu Hause bleiben, einen innenliegenden Raum aufsuchen und den Empfehlungen der Behörden folgen.

Als Schlussfolgerung nannte sie drei Grundsätze: Sicherheit integriert denken, Resilienz gemeinsam mit Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft schaffen und die zivile Verteidigung finanziell absichern.

Inge Paulini, Präsidentin des Bundesamts für Strahlenschutz, bei ihrer Keynote zum radiologischen Notfallschutz beim Bodensee Resilience Summit 2026.
Inge Paulini, Präsidentin des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS), spricht beim Bodensee Resilience Summit 2026 über radiologischen Notfallschutz als Baustein gesamtstaatlicher Resilienz.
Foto: CPM / Sascha Schürmann

Schutz Kritischer Infrastrukturen: Von Cybersecurity bis Drohnenabwehr

Mit der ersten Session des Bodensee Resilience Summit 2026 rückte der Schutz Kritischer Infrastrukturen in den Mittelpunkt. Prof. Dr. Clemens Gause, Geschäftsführer des Verbands für Sicherheitstechnik, sprach über die praktische Umsetzung des KRITIS-Dachgesetzes. Anschließend ging es mit Dr. Jörg Nigge, Oberbürgermeister der Stadt Celle, um die Aufrechterhaltung staatlicher und kommunaler Regierungsfunktionen. Jens Bauer, Geschäftsführer der GDELS-Fahrzeugwerke, widmete sich unbemannten Systemen zum Schutz kritischer Infrastrukturen.

Nach der Kaffeepause und dem Besuch der Industrieausstellung ging es um die Herausforderungen der zivilen Drohnenabwehr. Markus Riedel, Projektleiter für Innovationsprojekte bei Diehl Defence, zeichnete dabei ein deutliches Bild der aktuellen Lage.

Die Sicherheitsbehörden registrierten 2025 laut BKA mehr als 1.000 verdächtige Drohnensichtungen bei sensiblen Einrichtungen. Meist habe ein Mensch die Drohne zufällig bemerkt, kein Detektionssystem. Die Frage, ob Deutschland auf einen Krisen- und Verteidigungsfall vorbereitet sei, beantwortete Riedel mit: „Nein, sind wir nicht.“ Es brauche flächendeckende Drohnendetektion und Drohnenabwehr, auch im zivilen Bereich.

Als Hürden nannte er drei Punkte: Betreiber Kritischer Infrastrukturen kennen sich häufig nicht ausreichend aus und wissen nicht, wer die Kosten trägt. Der Staat müsse den Rechtsrahmen anpassen, denn die operative Abwehr liege bisher bei den Sicherheitsbehörden. Der Industrie fehle wiederum die Planungssicherheit, um ihre Produktionskapazitäten zu erhöhen. Kein Akteur könne die Aufgabe allein lösen.

Technisch empfahl Riedel mindestens zwei unterschiedliche Sensoren, etwa Radar und Kamera, die in einem Führungssystem zusammenlaufen. Gegen kabelgebundene, autonome Drohnen wirken Jammer nicht. Im zivilen Bereich setzen Frequenznutzung, Datenschutz und Arbeitsrecht zusätzliche Grenzen.

Zwischen Angreifer und Verteidiger bestehe eine Asymmetrie: Der Angreifer halte sich an keine Regeln, während der Verteidiger technische, rechtliche und organisatorische Vorgaben einhalten müsse.

Weitere Beiträge befassten sich mit der Frage, ob ein umfassender Schutz der Energieversorgung erreichbar ist. Dr. Hans Walter Borries, stellvertretender Vorsitzender des BSKI, stellte dazu die Energieversorgung in den Mittelpunkt. Christian Frese von GARANT Schutztechnik widmete sich KRITIS- und Drohnenschutzsystemen.

Den Abschluss der ersten Session bildete das Hot-Wash-up-Panel „Verwundbarkeit erkannt. Resilienz erreicht?“. Die Referenten diskutierten die Themen der Session und stellten sich den Fragen des Publikums. Anschließend folgten die Mittagspause und der Besuch der Industrieausstellung.

Bodensee Resilience Summit 2026: Zwischen den Vorträgen bestand die Möglichkeit, die Industrieausstellung zu besuchen.
Zwischen den Vorträgen bestand die Möglichkeit, die Industrieausstellung zu besuchen.
Foto: CPM / Sascha Schürmann

Fähigkeiten und Ressourcen: Die zivile Verteidigung stärken

Nach der Mittagspause startete Session zwei unter dem Titel „Fähigkeiten und Ressourcen“. Den Auftakt machte Dr. Fritz Helge Voß, Landesbeauftragter des THW in Bayern. Sein Thema war die Rolle des THW in der Gesamtverteidigung.

Voß beschrieb die zivile Verteidigung als Pendant zur militärischen. Sie ruht auf vier Säulen: Staats- und Regierungsfunktionen, Zivilschutz, Notversorgung der Bevölkerung und Unterstützung der Streitkräfte. Das THW wirkt in allen vier Bereichen, vor allem bei Rettung, Notinstandsetzung und Logistik.

Die Politik habe klar formuliert, was sie wolle, so Voß. In der Umsetzung fehlten jedoch Konzepte und Personal. Zudem könne das Bundesinnenministerium die Ressorts zwar koordinieren, aber nicht anweisen. Hier wirke noch die Friedensdividende nach.

Das THW stelle sich auf ein verändertes Konfliktbild ein, das von Desinformation, Sabotage, Unterwanderung, CBRN-Lagen und kleinen Drohnen geprägt sei. Fachlich ändere sich wenig, taktisch dagegen viel. Einsatzfahrzeuge müssten aufgelockert werden. Auch das Erkennen von Warnsignalen und Minen müsse wieder geübt werden.

Auch das THW selbst sei ein mögliches Ziel. Bei einem Tag der offenen Tür habe man einen erkennbaren Ausspähungsversuch festgestellt. Zudem kursierten Falschbehauptungen, das THW habe seine Stromaggregate in die Ukraine geschickt. Voß fasste die Lage mit den Worten zusammen: „Wir sind bereits jetzt im Konflikt.“

Als Grundlage der Handlungsfähigkeit nannte er die Resilienz, die bei der einzelnen Person beginne. Wer zu Hause keine Notvorräte habe, sei nicht einsatzfähig. Darauf folgten die Organisation, etwa durch Business Continuity Management, und schließlich das Gesamtsystem.

Besondere Probleme sieht Voß bei Führungskräften, die mehrfach verplant sind – etwa im THW, bei den Streitkräften und im Beruf. Hier fehle eine gesetzliche Regelung zur Unabkömmlichstellung. Die Bevölkerung müsse nicht nur über die Lage informiert werden, sondern auch erfahren, was sie konkret tun könne. In Bayern unterstützt das THW dafür die neue Bayerische Allianz für Resilienz.

Im weiteren Verlauf der Session ging es um reaktionsschnelle IT-Sicherheit und punktgenaue Logistik. Alexander Baumgartner, CEO der evia GmbH, und Ulrich Jostwerner von der amotIQ automotive GmbH stellten dazu ihre Themen vor. Prof. Dr. Dominic Kudlacek von der Hochschule Bremerhaven widmete sich der resilienten Versorgung in Kommunen im Zivilschutzfall.

Anschließend stand Israel im Mittelpunkt: Julia Obermeier, Geschäftsführerin der Beth-El Europe GmbH, sprach über die Erfahrungen des Landes und darüber, wie kollektiver ABC-Schutz die gesamtgesellschaftliche Resilienz stärken kann. Nach der Kaffeepause und dem Besuch der Industrieausstellung wurde die Session mit weiteren Beiträgen fortgesetzt.

Julia Obermeier von Beth-El Europe beim Bodensee Resilience Summit 2026.
Julia Obermeier, Geschäftsführerin der Beth-El Europe GmbH, spricht beim Bodensee Resilience Summit 2026 über die Erfahrungen Israels und die Bedeutung des kollektiven ABC-Schutzes für die gesamtgesellschaftliche Resilienz.
Foto: CPM / Sascha Schürmann

Verwundetenversorgung: Wenn die schnelle Evakuierung ausbleibt

Mit dem Vortrag „Von der Ersten Hilfe zum Combat Life Saver – Krieg ist anders als Krisenmanagement“ begann der letzte Programmabschnitt des ersten Veranstaltungstages. Flottillenarzt Dr. Bernhard Abouid vom Ausbildungszentrum des Kommandos Spezialkräfte der Marine widmete sich der Frage, wie sich die medizinische Versorgung Verwundeter verändert, wenn sich die Bedingungen eines bewaffneten Konflikts grundlegend von denen klassischer Krisen- und Katastrophenlagen unterscheiden.

Die taktische Verwundetenversorgung, international als Tactical Combat Casualty Care (TCCC) bekannt, wurde über Jahre hinweg anhand der Erfahrungen aus militärischen Einsätzen weiterentwickelt. Ihre Grundprinzipien bleiben auch künftig relevant. Doch die Rahmenbedingungen könnten sich deutlich verändern: In einem hochintensiven Konflikt können Drohnen, weitreichende Überwachung und umkämpfte Gebiete dazu führen, dass Verwundete nicht mehr innerhalb kurzer Zeit evakuiert werden können.

Damit wächst die Bedeutung einer Versorgung, die auch über längere Zeiträume unter schwierigen Bedingungen aufrechterhalten werden muss. Während bislang häufig davon ausgegangen werden konnte, dass Verletzte vergleichsweise schnell in eine weiterführende medizinische Behandlung gelangen, müssen Einsatzkräfte künftig unter Umständen deutlich länger vor Ort für sie sorgen.

Entscheidend bleiben die ersten Minuten nach einer Verletzung. Lebensbedrohliche Blutungen müssen erkannt und gestillt werden, weitere Maßnahmen sind nach Dringlichkeit zu priorisieren. Bei einer verzögerten Evakuierung endet die Aufgabe damit jedoch nicht. Der Zustand der Verwundeten muss wiederholt beurteilt werden. Auch Schmerzbehandlung, Atemwegssicherung sowie die Vermeidung von Unterkühlung und Infektionen gewinnen bei einer länger andauernden Versorgung an Bedeutung.

Digitale Unterstützung und Telemedizin können dabei helfen, medizinisches Wissen auch über größere Entfernungen verfügbar zu machen. Voraussetzung dafür sind allerdings funktionierende und sichere Kommunikationswege. In einem Konflikt können diese nicht jederzeit gewährleistet sein. Die Versorgung muss deshalb auch dann funktionieren, wenn eine digitale Verbindung fehlt.

Daraus ergeben sich Anforderungen an Ausbildung, Ausstattung und Abläufe. Medizinisches Personal und weitere Einsatzkräfte müssen auf längere Versorgungsphasen vorbereitet sein. Standardisierte Verfahren und eine nachvollziehbare Dokumentation helfen dabei, die Behandlung auch unter schwierigen Bedingungen fortzuführen und eine spätere Übergabe zu ermöglichen. Zugleich müssen Verfahren so gestaltet sein, dass sie auch im internationalen Zusammenwirken funktionieren.

Der Vortrag machte deutlich: Die Grundsätze der taktischen Verwundetenversorgung bleiben bestehen. Verändern könnten sich jedoch die Zeiträume und Bedingungen, unter denen sie angewendet werden. Eine schnelle Evakuierung darf in künftigen Konfliktszenarien nicht als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Die medizinische Versorgung muss daher so geplant und trainiert werden, dass sie auch bei längeren Verzögerungen handlungsfähig bleibt.

Versorgung, Transport und Durchhaltefähigkeit

Im Anschluss ging es um mobile Bettsysteme zur resilienten Versorgung im Zivilschutzfall. Dirk Fischer von Disc-O-Bed EU stellte diesen Themenbereich in den Mittelpunkt. Danach folgte der Blick auf Verkehr und Logistik: Marc-Andor Lorenz, Ministerialrat und Leiter des Referats für EU-Sicherheitspolitik, Gefahrenabwehr sowie NATO-Angelegenheiten im Bereich Verkehr und Logistik im Bundesministerium für Verkehr, sprach über die Herausforderungen für Verkehr und Logistik durch die Zeitenwende.

Das abschließende Hot-Wash-up-Panel der zweiten Session stand unter der Frage „Versorgen, transportieren, durchhalten: Sind wir vorbereitet?“. Die Referenten diskutierten die zuvor behandelten Themen und beantworteten Fragen aus dem Publikum.

Björn Stahlhut fasst den ersten Veranstaltungstag zusammen

Zum Abschluss des ersten Teils des Bodensee Resilience Summit 2026 fasste Björn Stahlhut, Leitender Redakteur von SECURITY-NETWORK.com, die Inhalte und Diskussionen des ersten Veranstaltungstages zusammen. Im Mittelpunkt standen die verschiedenen Facetten von Resilienz – vom radiologischen Notfallschutz und der Sicherung Kritischer Infrastrukturen über Cybersecurity und Drohnenabwehr bis hin zu den personellen, organisatorischen und logistischen Voraussetzungen der zivilen Verteidigung.

Tag eins des Bodensee Resilience Summit 2026 verdeutlichte, dass Resilienz nicht allein durch Technik oder einzelne Organisationen entsteht. Entscheidend sind das Zusammenspiel von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft, klare Zuständigkeiten, ausreichende Ressourcen und eine Vorbereitung, die auch unter erschwerten Bedingungen trägt.

Im Anschluss an die Tageszusammenfassung waren die Teilnehmenden zum Get-together und zum Besuch der Industrieausstellung eingeladen. Ein letzter Impuls des Tages von Roderich Kiesewetter, Mitglied des Deutschen Bundestages, stand unter dem Titel „Was wollen wir? Was können wir?“.

Am zweiten Veranstaltungstag des Bodensee Resilience Summit 2026 stehen weitere Perspektiven auf Resilienz, den Schutz kritischer Infrastrukturen und die Stärkung der gesamtgesellschaftlichen Krisenfestigkeit im Mittelpunkt. Auch morgen öffnet der Bodensee Resilience Summit 2026 im Bodenseeforum Konstanz bereits um 8:00 Uhr seine Tore.

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